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Jul 15

Diabetiker: Schlecht behandelt

Die Komplizenschaft der Ärzte und der fehlende Widerspruch gegen die rein medikamentöse Behandlung des Typ-2-Diabetes, das ist schlechte Medizin. Diese harsche Kritik stammt nicht etwa von einem enttäuschten Patienten, sondern von dem englischen Arzt Des Spence. Ihn stört, wie die durch einen gesunden Lebensstil beeinflussbare Krankheit von der Arzneimittellobby einzig auf das pharmakologische Senken des Blutzuckerspiegels reduziert wird.

Typ-2-Diabetes gelte als progressives, nicht umkehrbares chronisches Leiden, dessen medikamentöse Behandlung für die Pharmaindustrie einem viele Milliarden Euro umfassenden Lotteriegewinn gleichkommt. Allein in Großbritannien seien die Ausgaben für Insulin innerhalb des letzten Jahrzehnts um 300 Prozent auf 356 Millionen Euro gestiegen, jene für orale Antidiabetika um 400 Prozent auf 317 Millionen Euro. Und wer sich darüber wundere, warum die Firmen so freizügig Blutzuckermessgeräte verteilen: Selbst mit den Teststreifen werden 190 Millionen Euro umgesetzt.

Angesichts dieser Zahlen ist das typische Vorgehen der Pharmaunternehmen für Spence keine Überraschung: Erst würden fragwürdige Studien durchgeführt, deren Originaldaten Firmengeheimnis bleiben. Gut bezahlte, gefügige Diabetologen präsentieren dann auf als Fortbildung getarnten Marketingveranstaltungen. Zudem bezahle man Ärzte in dubiosen »Anwendungsbeobachtungen« dafür, dass sie neue (teurere) Medikamente einsetzen und sorge dann noch dafür, dass die Gesundheitsbehörden die Ärzte drängen, Diabetes aggressiv mit Arzneimitteln zu behandeln.

Doch wo bleiben die Erfolge? Die intensive medikamentöse Blutzuckerkontrolle erwies sich nicht als vorteilhaft, sie verbessert weder das Überleben noch senkt sie das Infarktrisiko. Im Gegenteil: Nicht nur die letzte Marktrücknahme (Rosiglitazon) zeige, dass die neuen, teuren Medikamente schaden können. Hier wird nach Spences Einschätzung die evidenzbasierte Medizin zur »wissenschaftlichen Illusion«, zum puren Marketing unter anderem Namen.

Dabei bleibe eine fundamentale Frage unbeantwortet: Kann Typ-2-Diabetes durch Abnehmen umgekehrt oder geheilt werden? Zumindest eine kleine Studie zeige, dass es funktioniert. Höchste Zeit also, den Diabetes umfassender anzugehen. Mit den derzeitigen Ausgaben für Medikamente ließen sich beispielsweise 40.000 Personal Trainer engagieren.

 

Spence, D.: Bad medicine: The way we manage diabetes. British Medical Journal 2013; 346: f2695

2 Kommentare

  1. Johnd635

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    Ich bin sehr erschrocken über diesen Bericht. Danke für den Artikel. MfG.

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